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Ladenburger Sportvereine luden Bürgermeister-Kandidaten zur Podiumsdiskussion

veröffentlicht um 08.12.2016, 23:47 von Dirk Ziegelmeier   [ aktualisiert: 08.12.2016, 23:49 ]
Corinna Schierz, Stefan Schmutz, Mario Unholz: Einer der drei Bewerber wird wohl Ladenburgs nächster Bürgermeister - auch wenn noch Konkurrenten dazukommen könnten. Die Bewerbungsfrist endet am 27. Dezember. Bei einem Treffen mit den Sportvereinen saßen die drei aktuellen Kandidaten erstmals zusammen auf dem Podium, um sich die Sorgen und Nöte der Sportler anzuhören. Und die Not ist in der Tat groß, besonders aus Sicht der Ballsportler, die dringend eine Halle brauchen.

Durch den Wegfall der Sporthalle in der alten Martinsschule und durch die Sperrung der Lobdengauhalle musste eine "Katastrophensituation" gemeistert werden. In der Lobdengauhalle konnte der Betrieb vor wenigen Tagen zwar wieder aufgenommen werden - aber die Lage bleibt ernst. Um sie zu entschärfen, brachte der Gemeinderat den Anbau einer Kleinfeldhalle an die Großsporthalle ins Gespräch. Die Lösung war nah - bis die Gewerbesteuereinnahmen einbrachen und das Projekt auf Eis gelegt werden musste.

BÜRGERMEISTERWAHL 2017

"Wie stehen die Kandidaten zum Bau der Ersatzhalle?", lautete eine der zentralen Fragen, denen sich Schierz, Schmutz und Unholz im voll besetzten Hubald-Schmitt-Saal stellen mussten. Alle Drei lobten erst einmal die vielfältige Sportlandschaft in der Stadt. Auf diesem Gebiet werde hervorragende Arbeit geleistet. Sportliche Anreize für die Jugend zu setzen, das sei enorm wichtig. Einig waren sich die Kandidaten auch darin, dass die Vereine derzeit unter Druck stehen.

Beiträge der Vereinsvertreter Petra Klodt (LSV), Joachim Loose (ASV), Thomas Thieme (FV 03), Peter Schmiedel (Romans) und Richard Seipp (Budoclub) unterstrichen die schwierige Situation. "Wir brauchen eine Lösung", so ihre Kernbotschaft. Die Vereine wollen sich lieber nicht darauf verlassen, "dass Dietmar Hopp nach Ladenburg kommt und eine Halle bauen lässt". "Wie sehen die Kandidaten die Situation und wie ist ihr Lösungsansatz?", wollten die Vereine konkret wissen. Hier wurden unterschiedliche Sichtweisen deutlich. Corinna Schierz hat eine Sporthalle ganz oben auf ihrer Prioritätenliste stehen. "Die Vereine brauchen die Halle, das ist für mich klar", versprach die Kandidatin, das Thema sofort anzupacken. Finanzieren will sie das Millionenprojekt mit öffentlichen Fördermitteln und Stiftungsgeldern. Auch die Dietmar-Hopp-Stiftung könnte einen Beitrag leisten.

Stefan Schmutz wollte hingegen nichts versprechen. "Das wird Ihnen zwar nicht gefallen, aber ein Projekt dieser Größenordnung ist derzeit nicht finanzierbar", wollte er den Vereinen erst gar keine Hoffnungen machen, dass in den nächsten fünf Jahren eine Halle gebaut wird. Priorität habe für ihn die Sanierung des Haushalts und die Unterhaltung der bestehenden Gebäude und Einrichtungen. Denn auch an der Lobdengauhalle habe der Zahn der Zeit genagt: Die Kosten für die Renovierung würden beträchtlich, kündigte er an. Er befürchte, dass die Vereine den Druck noch einige Jahre lang aushalten müssen.

Mario Unholz sprach von einer zwei- bis dreijährigen Handlungsunfähigkeit, denn der Blick in die mittelfristige Finanzplanung des städtischen Haushalts verspreche nichts Gutes. Für ihn steht der Bau einer Sport- und Kulturhalle aber an erster Stelle seiner "Aktivitätenliste". Eine angemessene Bereitstellung von Hallen müsse Standard in einer Stadt sein. Er könne jedenfalls eine Kraftanstrengung mittragen, damit die Vereine eine Perspektive erhalten.

Einig waren sich die Kandidaten wieder beim Thema "Kümmerer für das Römerstadion". Ein Stadion ohne Beaufsichtigung durch einen Platzwart, das funktioniere nicht, meinte Stefan Schmutz. Auch Mario Unholz forderte die Benennung einer verantwortlichen Person, die sich um die Stadionangelegenheiten vor Ort kümmern müsse. Corinna Schierz will ebenfalls einen Platzwart einstellen, denn die Pflege dürfte nicht vernachlässigt werden.

Und wie sieht es mit der Betreuung der Sportvereine durch die Verwaltung aus? "Wenn schon kein Geld da ist, dürfen die Vereine wenigstens eine erstklassige Betreuung durch das Rathaus erwarten": Er werde eine Stelle schaffen, wie sie früher von Brigitte Stahl ausgefüllt wurde, so Schmutz. Für Corinna Schierz ist der Kontakt zu den Vereinen hingegen "ausschließlich Chefsache". Sie will sich persönlich um deren Angelegenheiten kümmern. Mario Unholz sieht Defizite in der Kommunikation: Hier könne der Bürgermeister helfen, entsprechende Zusammenarbeiten auf den Weg zu bringen. Als Bürgermeister wolle er die Vereine unterstützen, wo es nur geht.

Skepsis erntete Schmutz beim Thema "städtische Vereinsunterstützung". Die Förderung der Vereine sei für ihn eher "undurchsichtig". Er wolle anhand von Zahlen erfahren, in welcher Höhe die Stadt die Vereine finanziell unterstützt. In Mannheim müssten Vereine für die Nutzung von Sportstätten Geldbeiträge leisten. "Ich sage nicht, dass dies in Ladenburg auch so sein muss - aber um den Haushalt zu sanieren, braucht es Klarheit und Transparenz", meinte er. Die Reaktionen ließen ihn spüren, dass die allermeisten Vereine hier keine Veränderungen wollen.

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung