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Ladenburger SV nimmt zehn Flüchtlinge aus Gambia auf

veröffentlicht um 12.02.2016, 03:27 von Dirk Ziegelmeier   [ aktualisiert: 12.02.2016, 03:27 ]
Zwischen den "Altkickern" und den "Neuen" sind Freundschaften entstanden – Auch ASV und Schachclub leben Integration

Eine Begegnung, die Folgen haben sollte, hatte Fußballtrainer Philip Brandt am 9. Januar. Erst kurz zuvor waren 130 Flüchtlinge in die Gemeinschaftsunterkunft des Rhein-Neckar-Kreises eingezogen. Als Brand mit einigen Freunden von einer Heidelberger Kneipentour gegen 2.30 Uhr morgens nach Ladenburg zurückfuhr, sah er auf der Autobahnbrücke am Rosenhof drei Männer stehen. Er kehrte um und stellte fest, dass die drei die Gemeinschaftsunterkunft suchten.

Brandt packte die jungen Männer aus Gambia, die sich verlaufen hatten, in sein Auto und fuhr sie nach Neubotzheim. Man kam ins Gespräch und der Fußballtrainer hörte, dass die drei Männer begeisterte Kicker waren. Einer von ihnen hatte in Gambia sogar in der zweiten Liga gespielt. Brand überlegte nicht lange und lud die Männer zum Probetraining ein. Bereits zum ersten Termin meldeten sich zehn Spieler an, die das LSV-Team gut gebrauchen konnte.

Derzeit kicken die Ladenburger in der B-Klasse. Weil sich einige Spieler verletzt hatten, wurden neue Sportler für die Rückrunde dringend gebraucht. Der Verein kümmerte sich um die Ausstattung der Männer. Es wurden Fußballschuhe und Trikots zur Verfügung gestellt. Gleich beim ersten Training stellte Brandt fest: Lamin, Steven, Ibrahim, Aladin, Salif, Mohammed und Badou können richtig gut kicken. "Einigen traue ich sogar zu, in höheren Klassen des Fußballkreises Mannheim zu spielen. Eine Verstärkung für das LSV-Team sind die Fußballer aus Gambia allemal", sagt der Lehrer für Ethik und Mathematik, der gerade seinen Trainer-C-Schein an der Sportschule in Karlsruhe macht.

Brandt hat Erfahrung mit Spielern mit Migrationshintergrund. Bei der LSV sind Türken, Kurden, Marokkaner und je ein Grieche und ein Estländer Teil der Mannschaft. "Der Fußball hat seine integrative Wirkung bei uns voll entfaltet", sagt Brandt. Für die Spieler aus Gambia wurden beim Badischen Fußballverband Spielerpässe beantragt. Erst dann können sie an den Verbandsspielen teilnehmen. Mit dem Aufstieg haben die LSV-Kicker in dieser Runde vermutlich nichts mehr zu tun, aber wenn ein Spielerkader breit aufgestellt ist, dann spornt dies eine Mannschaft zusätzlich an.

Die Afrikaner hätten ein vorzügliches Ballgefühl, seien schnell und trickreich. An der Taktik müsse man bei manchem zwar noch arbeiten, aber der Trainer ist zuversichtlich, dass sich die neuen Spieler schnell an das vorgegebene Spielsystem gewöhnen. Brandt lobt auch die Disziplin der Männer. Der Trainer ist für sie eine Respektsperson, seine Anweisungen werden akzeptiert.

Zwischen den "Altkickern" und den "Neuen" sind Freundschaften entstanden. Nach dem Training laden die Afrikaner, die zum Training abgeholt und wieder in die Unterkunft gebracht werden, schon mal zu einem Glas Tee ein.

"Die Gastfreundschaft der Mitspieler ist herzlich und ehrlich", sagt Badou. Er war in Gambia ein guter Zweitligaspieler, in Deutschland will er ein neues Leben beginnen. "Ich würde gerne in der Bundesliga spielen", verrät der Mittelfeldspieler, der sich aber erst einmal bei der LSV durchbeißen will.

Unterstützt wird das integrative Fußballprojekt von LSV-Vorsitzender Petra Klodt. Auch sie beobachtet mit großer Freude, wie der Trainer die neuen Mitspieler motiviert. Alle haben bereits einen Aufnahmeschein in die LSV unterzeichnet. Jetzt sind die Männer aus Gambia auch versichert.

Klodt findet, dass man nicht nur über Integrationsmöglichkeiten reden sollte; viel wichtiger sei es, Taten folgen zu lassen. Begeistert von der Spielstärke und Einstellung der neuen Mitspieler ist auch der Fußball-Abteilungsleiter, Dieter Höflein. "Was hier im Römerstadion passiert, ist eine gute Sache", findet der Funktionär. Auch der Nachbarverein FV03 Ladenburg hat sich dem Integrationsprojekt angeschlossen. Die Gelb-Schwarzen folgten dem Aufruf von Bürgermeister Rainer Ziegler beim Neujahrsempfang, den Flüchtlingen mit offenen Herzen entgegen zu gehen.

Neben dem Fußball gibt es weitere Beispiele für das Integrationsbemühen. Einige junge Männer haben die Sportart Ringen beim ASV für sich entdeckt, auch der örtliche Schachverein hat Zuwachs bekommen. Zwei Männer aus Syrien und Afghanistan sind wahre Könner des königlichen Spiels.

Quelle: Rhein-Neckar Zeitung (http://www.rnz.de)